Stiftung NiedersachsenMetall fordert konsequente Bildungswende.
Hannover, 8. September 2026. Die heute veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Studie 2025 sind ein Weckruf mit Ansage: Deutschlands Schülerinnen und Schüler erzielen in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der PISA-Erhebungen im Jahr 2000.
Besonders alarmierend: Rund ein Drittel der 15-Jährigen verfügt im Lesen und in Mathematik nicht über ausreichende Basiskompetenzen, in den Naturwissenschaften betrifft dies etwa ein Viertel. Rund ein Fünftel der Schülerinnen und Schüler erreicht in keinem der drei Bereiche das erforderliche Grundniveau. Zugleich ist der Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozioökonomischer Herkunft in Deutschland so stark wie in fast keinem anderen Land der OECD-Studie.
„Die Ergebnisse sind erschreckend. Wenn wir nicht entschlossen gegensteuern, wird sich der Fachkräftemangel in technischen Berufen weiter verschärfen“, sagt Olaf Brandes, Geschäftsführer der Stiftung NiedersachsenMetall. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind gut ausgebildete Fachkräfte mit soliden mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Kompetenzen kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für Innovation und Wachstum.“
Deutschland erreicht in allen drei untersuchten Bereichen nur noch das durchschnittliche Niveau der OECD-Staaten. Lagen die Naturwissenschaften seit 2006 noch leicht über dem Durchschnitt, so ist hier auch ein deutliches Absinken der Kompetenzen zu beobachten. Gleichzeitig haben sich die Anteile der Jugendlichen ohne ausreichende Kompetenzen im Lesen und in Mathematik seit 2015 verdoppelt.
„Das ist längst kein abstraktes bildungspolitisches Problem mehr“, betont Brandes. „Wenn junge Menschen die Schule ohne die notwendigen Grundlagen verlassen, mangelt es ihnen an wichtigen Voraussetzungen für Ausbildung und Beruf. Den Unternehmen fehlen dann die Fachkräfte, die sie für Digitalisierung, Transformation und technologischen Fortschritt dringend benötigen. Die PISA-Ergebnisse müssen deshalb der Startschuss für eine konsequente bildungspolitische Trendwende sein.“
Die Stiftung NiedersachsenMetall fordert:
- Verbindliche Lernbegleitung: Lernstände müssen frühzeitig und regelmäßig erhoben und Bildungsverläufe schulformübergreifend dokumentiert werden werden können.
- Ganztag mit erstklassiger pädagogischer Qualität: Die schrittweise Einführung des Rechtsanspruchs in Niedersachsen auf einen Ganztagsplatz in der Grundschule geht in die richtige Richtung. Ein bloßes Betreuungsangebot reicht jedoch nicht aus. Der Ganztag muss qualitativ hochwertig ausgestaltet sein und verbindliche Angebote zum Fördern und Fordern enthalten. Dafür braucht es qualifiziertes Personal, tragfähige pädagogische Konzepte und eine enge Verzahnung von Unterricht und außerunterrichtlichen Angeboten. Wer in der Grundschule nicht Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt hat, holt das nicht wieder auf.
- Mehr praxisnahe MINT-Bildung in allen Schulformen: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik müssen verbindlich, anschaulich und anwendungsbezogen vermittelt werden. Kooperationen mit Unternehmen außerschulischen Lernorten können jungen Menschen zeigen, wie schulisches Wissen in der Praxis eingesetzt wird.
- Kritisches Denken und Informationskompetenz stärken: Schulen müssen junge Menschen systematisch dazu befähigen, Informationen zu bewerten, unterschiedliche Quellen miteinander in Beziehung zu setzen und Inhalte kritisch zu hinterfragen. Gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gehören diese Fähigkeiten zu den unverzichtbaren Basiskompetenzen.
„Unsere Erfahrungen zeigen, dass Schülerinnen und Schüler ihre Begabungen und ihr Interesse an naturwissenschaftlich-technischen oder digitalen Berufen vor allem dann entdecken, wenn ihre Schulen gut ausgestattet sind und der Unterricht an ihre Lebenswirklichkeit anknüpft.“, so Brandes abschließend. „Der Schock, der nach der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie im Jahr 2001 durch die deutsche Bildungspolitik ging, führte zu zahlreichen Reformen und Initiativen. Eine solche entschlossene und umfassende Bildungsoffensive brauchen wir jetzt erneut. Deutschland kann es sich weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich leisten junge Menschen ohne ausreichende Basiskompetenzen aus der Schule zu entlassen. Bildung ist die wichtigste Investition in die Zukunft unseres Landes.“
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