Veranstaltungsreihe "Ausbildung im Fokus" gibt Tipps zum Thema Interkulturelle Kompetenzen
Migration als eine Maßnahme gegen den Fachkräftemangel – viele Unternehmen setzen zunehmend auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zugewandert sind. Dabei sind Arbeitsplätze in der Metall- und Elektro-Industrie für Zugewanderte offenbar attraktiv: So verzeichnen die Personalabteilungen mittlerweile ein Drittel ihrer Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. Welche Chancen und Herausforderungen, das mit sich bringen kann, damit hat sich die Herbstausgabe von „Ausbildung im Fokus“ beschäftigt. Die Veranstaltung am 29. September trug den Titel „Interkulturelle Kompetenzen in der Ausbildung“. Im Mittelpunkt standen Fragen, wie unterschiedliche Kommunikationsstile, Hierarchieverständnisse und Erwartungen besser erkannt und eingeordnet werden können. Denn wer die Perspektive wechselt und Verhaltensweisen nicht vorschnell bewertet, schafft die Grundlage für mehr Verständnis, weniger Konflikte und eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Referentin Helga Barbara Gundlach riet den Teilnehmenden, einmal selbst die Perspektive des „fremden“ Zugewanderten einzunehmen. Denn fast immer gehe es bei Irritationen um kulturelle Unterschiede: Warum sieht der mich nicht an, wenn ich mit ihm rede – interessiert ihn das nicht? Warum stellt er keinen Fragen, obwohl er die Aufgabe nicht verstanden hat? Möglicherweise stammt das Gegenüber aus einer Kultur, in der direkter Augenkontakt im Gespräch als übergriffig gilt. Oder in der es als unhöflich gilt, Fragen zu stellen, weil es ein grundsätzliches Infragestellen einer Kompetenz bedeutet.
Damit es nicht auf beiden Seiten zu Missverständnissen und Frustration führt, gehe es darum, interkulturelle Kompetenzen zu erwerben und zu reflektieren. Hilfreich zum Verständnis des Gegenübers sei das „Rucksack-Modell“: Demnach trägt jede Person einen imaginären Rucksack, der mit Erlebtem, Erlernten und kulturellen Prägungen gefüllt wird. Diese Prägungen betreffen im Übrigen auch Menschen, die schon immer Deutsche waren. Denn sogenannten „Wechseln“ der Umgebung, des Umfeldes etc. sind auch sie im Laufe ihres Lebens ausgesetzt (gewesen) – sei es durch Umzug, der Gründung einer eigenen Familie oder durch Berufswechsel. Aber: „Migranten sind keine homogene Masse, sondern haben alle ihre jeweils eigenen „Wechsel“ in ihrem Rucksack. Deshalb muss die Kommunikation individuell geführt werden“, so Helga Gerlach.
Je nachdem, wie lange Menschen schon in Deutschland leben, vermischen sich die kulturellen Prägungen des Herkunfts- und des Einwanderungslandes – oder eben auch nicht. So kann es für jemanden, der nicht europäisch geprägt ist und erst vor kurzem zugewandert ist, nicht möglich sein, im Vorstellungsgespräch die Frage zu beantworten „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“, eben weil der Faktor Zeit in seiner Herkunftskultur einen anderen Stellenwert hat. Auch der im hiesigen Kulturraum übliche Blickkontakt im Gespräch wird nicht in allen Kulturen gleich gehandhabt. Manche Kulturen unterscheiden ihr Verhalten je nach Machtdistanz zum Gegenüber. Den teilnehmenden Ausbildungsverantwortlichen riet Helga Gundlach, Fragen zu stellen und Interesse am Gegenüber zu zeigen: „Das Wichtigste ist Ihre Haltung und die Sichtbarmachung derselben.“
Gleichzeitig bietet kulturelle Vielfalt große Chancen: Unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen können Teams bereichern und neue Potenziale im Unternehmen freisetzen. Entscheidend ist, diese Vielfalt bewusst zu gestalten – mit Offenheit, Reflexion und den richtigen Werkzeugen für den Ausbildungsalltag.
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