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Konfliktgespräche in der Ausbildung meistern

Reden, wenn's brennt – Konfliktgespräche in der Ausbildung konstruktiv führen

Wie können Ausbildungsverantwortliche schwierige Gespräche mit Auszubildenden erfolgreich gestalten? Welche psychologischen Hintergründe spielen bei Konflikten eine Rolle und welche Strategien helfen, problematische Verhaltensweisen frühzeitig anzusprechen? Diesen Fragen widmete sich das Forum der Stiftung NiedersachsenMetall „Reden, wenn's brennt – Konfliktgespräche in der Ausbildung“ im Rahmen des Arbeitgeberforums 2026 der Arbeitgeberverbände. 

Den wissenschaftlichen Einstieg übernahm Philipp Herzer, Arbeits- und Organisationspsychologe beim Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA). Er stellte psychologische Modelle vor, die erklären, wie Menschen Situationen bewerten und warum Konflikte entstehen können. Dabei richtete er den Blick auch auf die neuropsychologische Entwicklung junger Menschen. So sei insbesondere die Impulskontrolle, die im präfrontalen Kortex gesteuert wird, erst etwa ab Mitte 20 vollständig ausgereift. Dieses Wissen könne helfen, Verhaltensweisen von Auszubildenden besser einzuordnen und Gespräche mit mehr Verständnis zu führen.

Für den Umgang mit Konfliktsituationen empfahl Herzer unter anderem, in Krisengesprächen die Perspektive des Auszubildenden wohlwollend nachzuvollziehen und die eigene Bewertung einer Situation bewusst zu reflektieren. Zudem erläuterte er die unterschiedlichen Denk- und Verarbeitungsprozesse des menschlichen Gehirns: Während im „langsamen Denken“ komplexe Problemlösungen, Empathie und differenzierte Betrachtungen möglich sind, führt Stress häufig zu einem schnelleren, impulsiveren Denken. Für gelingende Konfliktgespräche seien daher insbesondere Kompetenz und Empathie entscheidende Faktoren. Konflikte sollten möglichst frühzeitig und vertrauensvoll angesprochen werden – bei Bedarf auch unter Einbeziehung professioneller Unterstützung.

Einen praxisnahen Blick auf das Thema bot Martina Pinno-Ciupka, Ausbildungsleiterin bei der Sartorius AG in Göttingen. Aus ihrer Erfahrung heraus beginnt erfolgreiche Kommunikation bereits mit dem Start der Ausbildung. Ehrliches Interesse an den jungen Menschen, die Förderung von Gemeinschaft sowie eine wertschätzende Unternehmenskultur bilden die Grundlage für vertrauensvolle Beziehungen. Bei Sartorius spielen deshalb Beziehung, Vertrauen und Wertschätzung eine zentrale Rolle. Dazu gehört auch die Selbstverständlichkeit, Probleme frühzeitig anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Mit Blick auf die Zukunft betonte Pinno-Ciupka, wie wichtig es für Unternehmen sei, die Perspektiven und Bedürfnisse neuer Generationen zu verstehen. Themen wie Gesundheit, persönliche Entwicklung und veränderte Wertvorstellungen hätten heute einen anderen Stellenwert als noch vor einigen Jahrzehnten. Entscheidend sei, dass Auszubildende und Ausbildungsverantwortliche aufeinander zugehen, klare Regeln vereinbaren und diese verlässlich einhalten. Unterstützend wirke zudem ein breites Netzwerk aus verschiedenen Ansprechpersonen im Unternehmen, das den Auszubildenden unterschiedliche Vertrauens- und Unterstützungsangebote eröffnet.

Im anschließenden Austausch nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, eigene Erfahrungen einzubringen, Fragen zu diskutieren und Anregungen für die tägliche Ausbildungspraxis mitzunehmen. Das Forum zeigte eindrucksvoll, dass erfolgreiche Konfliktgespräche vor allem auf Verständnis, Vertrauen und einer offenen Kommunikationskultur basieren.

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