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Aufbruch nach PISA-Mathematik-Schock

Aufbruch nach dem PISA-Mathematik-Schock 

Ein kurzer Rückblick: Als die aktuelle PISA-Studie 2023 veröffentlicht wurde, war klar: Es gibt echten Handlungsbedarf. Knapp ein Drittel der 15-Jährigen hat in mindestens einem der drei getesteten Felder (Mathematik, Naturwissenschaften, Lesen) nur sehr geringe Kompetenzen. Etwa jeder sechste Jugendliche hat in allen drei Bereichen deutliche Defizite. Die Anteile dieser besonders leistungsschwachen Jugendlichen sind seit 2018 größer geworden und betragen in Mathematik rund 30 Prozent. Der Anteil der besonders leistungsstarken Schülerinnen und Schüler ist wiederum gesunken - in Mathematik auf knapp neun Prozent und im Lesen auf knapp acht Prozent. In den Naturwissenschaften blieb dieser Anteil bei etwa zehn Prozent stabil. 

Wie die Stiftung NiedersachsenMetall dieser Tatsache begegnet

Mathematik ist wichtig für den Berufseinstieg, konkrete Maßnahmen sind gefragt. Die neu gegründete Mathe-AG der Stiftung NiedersachsenMetall setzt sich zum Ziel, für die Mathematik zu begeistern. Die Recherchen zeigten schnell: Es gibt kaum Projekte, die Mathematik praxis- oder alltagsbezogen vermitteln. Dabei hat die Verbindung von Mathematik mit realen Anwendungen ein riesiges Potenzial – sie wird nur zu selten genutzt. Dies verdeutlichte auch Christoph Knake, Ausbildungsleiter für den technischen Bereich bei Sennheiser electronic SE & Co. KG in seinem Vortrag zu lösungsorientierten Förderansätzen in der Ausbildung und Berufsschule. In seiner Doppelfunktion als Ausbilder und Berufsschullehrer weiß er, wo es bei den Azubis hakt und betonte die Relevanz einer motivierenden Lernkultur. 

Veranstaltung: Mathematik-Kompetenzen im Fokus 

Der Einladung zur ersten Veranstaltung der Mathe-AG waren rund 60 Gäste aus Unternehmen, Schulen und Schulbehörden gefolgt. Wissenschaftliche Erkenntnisse über erfolgreiches Mathematik-Lernen sowie das Projekt „Fit für MINT-Berufe“ aus dem Landkreis Stade wurden in der gut zwei Stunden dauernden Veranstaltung vermittelt. 

Blick auf die Wissenschaft

Annika Wille, Professorin für Mathematikdidaktik an der Leibniz Universität Hannover hob in ihrem Vortrag besonders die Rolle von Sprache beim Mathematiklernen und den Weg zu nachhaltigen mathematischen Fähigkeiten hervor: "Immer wieder muss jede Schülerin und jeder Schüler selbst mathematisch tätig sein. Dazu gehört, dass sie ihre mathematischen Fertigkeiten ausbauen, Zusammenhänge herstellen, Mathematik flexibel anwenden und dabei Was-, Wie- sowie Warum-Fragen selbst beantworten.", erklärte die Wissenschaftlerin. Ein Highlight der Veranstaltung war das vorgestellte Projekt „Fit für MINT-Berufe“ im Landkreis Stade (Bildungslotse | Fit für MINT-Berufe). Hier wird das Ziel verfolgt, Schülerinnen und Schüler, die einen Sek-1-Abschluss anstreben, besonders gut auf die Anforderungen in Mathematik vorzubereiten, die in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen unverzichtbar sind. Im Laufe eines Schuljahres wird mathematisches Grundwissen anhand von Aufgabenblättern geübt und abgefragt. Am Ende des Durchgangs wird eine qualifizierende Prüfung geschrieben und der Abschluss mit einem Zertifikat und mit attraktiven Preisen (E-Scooter, Tickets für den Heidepark und ein Ipad) belohnt. Die besten 10 % erhalten zudem einen Praktikumsplatz bei den beteiligten Unternehmen. 

Für Lehrerin Daniela Bielke von der Geestlandschule Fredenbeck ist die Verbindung von Mathematik und Berufsorientierung ein wichtiges Thema: „Mathematik und ich: Wenn man in anderen ein Feuer entfachen möchte, muss man dafür selber brennen!“ 

Was sich ändern muss 

Eine solche Begeisterung für Mathematik-Förderung möchte die Stiftung NiedersachsenMetall auch in anderen Regionen entfachen – das Projekt soll Schule machen. Damit sich die „Mathe-Lage“ in Niedersachsen verbessert, braucht es mutige Schritte. Der Unterricht muss einfacher, klarer und praxisnäher werden. Zu viele Rechenwege überfordern die Lernenden. Eine Lehrkraft formulierte es treffend: „Zwei Rechenwege sind völlig ausreichend.“ Projekte wie an der OBS Badenhausen – z. B. der Wettbewerb „Vier Ecken, viele Ideen – gestalte deinen Schulhof mit dem Haus der vier Ecken“ – zeigen, wie kreative Aufgabenstellungen den Zugang zur Mathematik erleichtern können. 

Unser Fazit

Wenn wir Mathematik praxisnah und spannend vermitteln, können wir Schülerinnen und Schüler wieder mehr für Zahlen, Logik und Problemlösungen begeistern – und ihnen zeigen, wie faszinierend Mathematik im Alltag sein kann und wie grundlegend sie im Beruf ist.

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